Möwe Mats will nicht schlafen

Möwe Mats will nicht schlafen

von Trutz StählerPapa aus Hamburg · schreibt Kinderbücher

  • 🎯 ab 3 Jahren
  • 🕔 ca. 4 Minuten Vorlesedauer
Illustration zur Gute-Nacht-Geschichte „Möwe Mats will nicht schlafen“

Darum geht’s

Im Hafen ist abends noch so viel los – da kann Möwe Mats doch unmöglich schlafen gehen! Oder leuchtet der Hafen vielleicht auch ohne sie weiter?

Am Hamburger Hafen wohnt eine kleine Möwe. Sie heißt Mats. Mats hat weiße Federn, graue Flügel und gelbe Füße, die immer ein bisschen tapsen. Tap, tap, tap.

Am liebsten sitzt Mats auf einem dicken Poller direkt an der Elbe. Von dort kann sie alles sehen: die großen Schiffe, die kleinen Boote, die Kräne und die Menschen, die winken.

Eines Abends wird der Himmel orange, dann rosa, dann lila. Die Sonne sinkt langsam hinter die Kräne.

„Mats“, ruft Mama Möwe vom Dach des Lagerhauses. „Es ist Schlafenszeit. Komm ins Nest!“

„Noch nicht!“, ruft Mats. „Im Hafen ist doch noch so viel los!“

Und das stimmt. Ein Containerschiff tutet: Tuuuut! Ein kleiner Schlepper brummt: Brummm, brummm. Und irgendwo klappert eine Kette: Klirr, klirr.

„Wenn ich jetzt schlafe“, denkt Mats, „dann verpasse ich alles. Und wer passt dann auf den Hafen auf?“

Also bleibt Mats sitzen. Sie plustert ihre Federn auf und macht die Augen ganz weit.

Ganz hinten an der Elbe steht Leuchtturm Lotte. Jetzt macht Lotte ihr Licht an. Blink. Und noch einmal. Blink.

Dann gehen die Hafenlichter an. Erst eins, dann zwei, dann ganz viele. Gelbe Lichter, weiße Lichter, ein rotes und ein grünes Licht an jedem Schiff.

„Oh“, sagt Mats leise. „Die Lichter passen ja auch auf.“

Die Fähre Frieda schaukelt vorbei. Auf dem Deck sitzt ein Kind mit einer Mütze. Es gähnt so groß, dass Mats auch gähnen muss. Haaaach.

„Gute Nacht, Mats!“, ruft Frieda und tutet ganz leise. Tüt.

Kran Karl dreht seinen langen Arm zur Seite und stellt den letzten Container ab. Plong. Dann bleibt er ganz still stehen.

„Machst du jetzt auch Feierabend, Karl?“, fragt Mats.

„Ja“, brummt Karl. „Morgen ist wieder ein Tag. Und morgen brauche ich all meine Kraft.“

Mats schaut über den Hafen. Die Schiffe liegen ruhig an ihren Plätzen. Die Elbe gluckert sanft gegen die Kaimauer. Gluck, gluck, gluck.

Die Lichter blinken. Lotte leuchtet. Die Sterne kommen heraus, einer nach dem anderen.

„Der Hafen leuchtet ja auch ohne mich“, denkt Mats. „Er passt auf sich selbst auf. Und er passt auf mich auf.“

Ihre Augen werden schwer. Ganz schwer.

Mats breitet die Flügel aus und fliegt. Nicht schnell, nur ein kleines Stück. Über das Wasser, über die Lichter, hinauf auf das Dach des Lagerhauses.

Dort wartet Mama Möwe im warmen Nest. „Da bist du ja“, sagt sie und rückt ein Stück zur Seite.

Mats kuschelt sich an Mamas weiche Federn. Sie hört das Wasser gluckern. Gluck, gluck. Sie hört ein Schiff ganz weit weg tuten. Tuuut.

„Mama“, flüstert Mats, „morgen erzähle ich dir alles, was im Hafen passiert.“

„Das machen wir“, flüstert Mama. „Morgen.“

Und dann steckt Mats ihren Kopf unter den Flügel. Ganz gemütlich. Ganz warm.

Der Hafen leuchtet. Die Elbe gluckert. Und Mats schläft.

Gute Nacht, Mats. Gute Nacht, Hafen. Gute Nacht, du.

Zum Reden danach

  • Was passiert bei dir draußen, wenn du schlafen gehst?
  • Welches Geräusch aus dem Hafen hat dir am besten gefallen?
  • Wer passt in der Nacht auf dich auf?

Hat dir die Geschichte gefallen?

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