Leuchtturm Lotte und der Nebel
von Trutz StählerPapa aus Hamburg · schreibt Kinderbücher
- 🎯 ab 3 Jahren
- 🕔 ca. 4 Minuten Vorlesedauer
Darum geht’s
Leuchtturm Lotte findet ihr Licht viel zu klein. Doch in einer nebligen Nacht braucht ein kleines Boot genau dieses Licht, um nach Hause zu finden.
Ganz am Ende des Hafens, da, wo die Elbe breit wird, steht ein kleiner Leuchtturm. Er hat rote und weiße Streifen und oben ein rundes Fenster. Das ist Lotte.
Jeden Abend, wenn es dunkel wird, macht Lotte ihr Licht an. Blink. Pause. Blink. Pause.
Aber Lotte ist nicht zufrieden. Denn weiter draußen an der Küste stehen große Leuchttürme. Die sind riesig, und ihr Licht strahlt weit über das Meer.
„Mein Licht ist so klein“, seufzt Lotte. „Wer soll das denn sehen?“
Möwe Mats landet auf Lottes Geländer. Tap, tap. „Moin, Lotte! Warum guckst du so traurig?“
„Weil mein Licht zu klein ist“, sagt Lotte. „Die großen Leuchttürme sind viel heller als ich.“
Mats legt den Kopf schief. „Ich finde dein Licht schön“, sagt sie. „Es blinkt so gemütlich.“
„Gemütlich ist nicht hell“, murmelt Lotte.
An diesem Abend passiert etwas Seltsames. Von der Elbe her kommt Nebel. Erst nur ein bisschen, wie ein dünner Schal. Dann immer mehr, wie eine dicke, weiche Decke.
Bald sieht man die Schiffe nicht mehr. Man sieht die Kräne nicht mehr. Man sieht nicht einmal mehr das Wasser.
Alles ist grau und still. Nur ganz leise hört man etwas: Tuck, tuck, tuck.
Ein kleines Boot ist auf der Elbe unterwegs. Am Steuer steht Fischerin Ida mit ihrem gelben Regenmantel. Sie wollte schon längst zu Hause sein.
„Oje“, sagt Ida. „Ich sehe ja gar nichts. Wo ist denn nur der Hafen?“
Tuck, tuck, tuck. Das Boot wird langsamer.
Oben auf dem Leuchtturm hört Lotte das Tuckern. „Da ist jemand“, flüstert sie. „Da draußen ist jemand im Nebel.“
„Dann leuchte!“, ruft Mats. „Leuchte, so gut du kannst!“
„Aber mein Licht ist doch so klein“, sagt Lotte.
„Ida braucht kein großes Licht“, sagt Mats. „Sie braucht dein Licht. Genau hier.“
Da holt Lotte tief Luft. Sie denkt an Ida und an das kleine Boot. Und sie leuchtet.
Blink. Pause. Blink. Pause.
Draußen im Nebel sieht Ida etwas. Ein kleines, warmes Licht. Es blinkt. Und es blinkt immer an derselben Stelle.
„Lotte!“, ruft Ida. „Das ist Lotte! Da geht es zum Hafen!“
Ida dreht das Steuer. Tuck, tuck, tuck. Sie fährt auf das Licht zu, ganz langsam und ganz vorsichtig.
Blink. Pause. Blink. Pause. Lotte leuchtet die ganze Zeit. Sie wird nicht müde.
Und dann taucht die Kaimauer aus dem Nebel auf. Ida legt an und bindet ihr Boot fest. Knoten, ziehen, fertig.
Sie schaut zum Leuchtturm hinauf und winkt. „Danke, Lotte! Ohne dich hätte ich nicht nach Hause gefunden.“
Lotte wird ganz warm ums Fenster. „Mein kleines Licht hat geholfen“, flüstert sie.
„Siehst du“, sagt Mats. „Ein Licht muss nicht groß sein. Es muss nur da sein, wenn jemand es braucht.“
Langsam zieht der Nebel weiter. Die Sterne kommen zurück. Ida geht nach Hause, zu einer warmen Suppe und einer weichen Decke.
Mats kuschelt sich an Lottes Geländer. Und Lotte leuchtet weiter, die ganze Nacht.
Blink. Pause. Blink. Pause. Ganz ruhig. Ganz gleichmäßig. Wie ein Herz, das schläft.
Zum Reden danach
- Hast du dich auch schon mal zu klein gefühlt?
- Wem hast du schon einmal geholfen, den Weg zu finden?
- Was gibt dir ein gutes Gefühl, wenn es dunkel ist?



