Mats und das Schietwetter
von Trutz StählerPapa aus Hamburg · schreibt Kinderbücher
- 🎯 ab 3 Jahren
- 🕔 ca. 4 Minuten Vorlesedauer
- 📚 Reihe: Möwe Mats
Darum geht’s
Regen, Wind und graue Wolken über dem Hafen – Möwe Mats findet das Wetter doof. Bis sie merkt, wie gemütlich Regen klingen kann.
Am Hamburger Hafen ist heute alles grau. Der Himmel ist grau, die Elbe ist grau, sogar die Kräne sehen grau aus.
Und es regnet. Plitsch, platsch. Plitsch, platsch.
Möwe Mats sitzt auf ihrem dicken Poller an der Kaimauer. Ihre weißen Federn sind nass. Ihre gelben Füße sind nass. Sogar ihr Schnabel tropft. Tropf, tropf.
„So ein Schietwetter“, schimpft Mats. „Damit kann man doch gar nichts anfangen!“
Der Wind pustet über das Wasser. Huiii. Er zerzaust Mats die Federn, bis sie aussieht wie ein kleiner Wischmopp.
„Moin, Mats!“, ruft eine Stimme. Fähre Frieda tuckert vorbei. Auf ihrem Deck stehen Leute mit bunten Regenjacken: eine gelbe, eine rote, eine blaue.
„Was ist denn mit dir los?“, fragt Frieda.
„Der Regen ist doof“, sagt Mats. „Und der Wind ist doof. Und alles ist grau.“
Frieda lacht ein tiefes Fährenlachen. Tuut-tuut. „Guck doch mal genau hin“, sagt sie. „Siehst du die Jacken? So bunt wie Bonbons.“
Mats guckt. Gelb, rot, blau, grün. Tatsächlich. Wie Bonbons auf einem grauen Teller.
Dann fährt Frieda weiter. Plitsch, platsch.
Mats fliegt ein Stück, hinüber zu Kran Karl. Unter seinem langen Arm ist es ein bisschen trockener.
„Karl, findest du den Regen auch so doof?“
„Doof?“, brummt Karl. „Nee. Der Regen wäscht mich. Hörst du, wie er auf meinen Arm trommelt?“
Mats hört hin. Auf Karls Arm macht der Regen ein ganz eigenes Geräusch. Tock, tock, tock. Wie ein kleines Schlagzeug.
„Und auf den Containern?“, fragt Karl.
Mats hört wieder hin. Auf den Containern klingt es anders. Pling, pling, pling. Hell und fröhlich.
„Und auf dem Wasser?“
Auf dem Wasser zischt der Regen ganz leise. Schhhh. Schhhh.
„Das ist ja Musik“, sagt Mats erstaunt.
„Regenmusik“, brummt Karl. „Die beste Musik im ganzen Hafen.“
Mats legt den Kopf schief und lauscht. Tock, tock auf dem Kran. Pling, pling auf den Containern. Schhhh auf dem Wasser. Und dazwischen pfeift der Wind ganz leise mit. Fiiiu.
„Der Wind singt ja auch“, sagt Mats.
„Natürlich“, brummt Karl. „Der Wind ist der Sänger. Und der Regen spielt Schlagzeug.“
Mats muss kichern. Eine Weile sitzen die beiden einfach da, Karl und Mats, und hören dem Hafenkonzert zu. Und Mats merkt gar nicht, dass sie schon ganz vergessen hat, wie nass ihre Füße sind.
Am Abend wird es dunkel. Ganz hinten an der Elbe macht Leuchtturm Lotte ihr Licht an. Blink. Pause. Blink.
Im Regen sieht Lottes Licht wunderschön aus. Jeder Regentropfen glitzert wie ein winziger Stern.
„Mats!“, ruft Lotte durch den Wind. „Flieg nach Hause, kleine Möwe. Ich passe auf den Hafen auf.“
Mats breitet die nassen Flügel aus und fliegt hinauf auf das Dach des Lagerhauses. Dort wartet Mama Möwe im Nest. Das Nest ist unter einem kleinen Vordach versteckt. Da ist es warm und trocken.
„Da bist du ja, du kleiner Wischmopp“, sagt Mama und schüttelt Mats die Tropfen aus den Federn.
Mats kuschelt sich ganz dicht an Mama. Und dann hört sie zu.
Auf dem Vordach trommelt der Regen. Tock, tock, tock. Unten auf den Containern macht es pling, pling. Und auf der Elbe zischt es leise. Schhhh.
„Mama“, flüstert Mats, „ich glaube, Regen ist gar nicht doof. Regen ist gemütlich.“
„Am gemütlichsten ist Regen, wenn man im Warmen liegt“, flüstert Mama.
Mats steckt den Kopf unter den Flügel. Draußen spielt die Regenmusik. Tock, tock. Pling, pling. Schhhh.
Immer leiser. Immer langsamer. Bis Mats schläft.



