Mats und die Sternschnuppe

Mats und die Sternschnuppe

von Trutz StählerPapa aus Hamburg · schreibt Kinderbücher

  • 🎯 ab 3 Jahren
  • 🕔 ca. 4 Minuten Vorlesedauer
  • 📚 Reihe: Möwe Mats
Illustration zur Gute-Nacht-Geschichte „Mats und die Sternschnuppe“

Darum geht’s

In einer klaren Nacht saust eine Sternschnuppe über den Hafen. Mats darf sich etwas wünschen – aber was nur?

Es ist eine klare Nacht am Hamburger Hafen. Keine einzige Wolke ist am Himmel. Dafür so viele Sterne, dass Mats sie gar nicht zählen kann.

Mats sitzt mit Mama Möwe im Nest auf dem Dach des Lagerhauses. Sie schauen zusammen nach oben.

„Mama, was ist das für ein Stern, der so hell ist?“

„Das ist der Abendstern“, sagt Mama. „Der kommt immer als Erster.“

Unten im Hafen ist es schon still. Kran Karl steht ganz ruhig da. Fähre Frieda schaukelt am Anleger. Nur Leuchtturm Lotte blinkt. Blink. Pause. Blink.

Und plötzlich – wusch! – saust ein leuchtender Streifen über den Himmel. Mit einem langen, glitzernden Schweif.

„Mama! Was war das?“

„Eine Sternschnuppe“, flüstert Mama. „Wenn man eine Sternschnuppe sieht, darf man sich etwas wünschen.“

„Wirklich?“ Mats ist ganz aufgeregt. „Was soll ich mir denn wünschen?“

„Das musst du selbst herausfinden“, sagt Mama. „Und du darfst es niemandem verraten.“

Mats denkt nach. Ganz doll.

Sie kneift die Augen zusammen. Sie wackelt mit dem Schnabel. Sie zupft an einer Feder. So denkt eine Möwe nämlich besonders gut nach.

Vielleicht wünscht sie sich einen Berg aus Fischbrötchen? So hoch wie das Lagerhaus?

Hmm. Aber davon bekäme sie bestimmt Bauchweh.

Vielleicht wünscht sie sich, so groß zu sein wie Kran Karl? Dann könnte sie über den ganzen Hafen gucken.

Hmm. Aber dann würde sie nicht mehr ins Nest passen.

Vielleicht wünscht sie sich, so hell zu leuchten wie Leuchtturm Lotte? Dann würden alle Schiffe sie sehen.

Hmm. Aber dann könnte sie nachts gar nicht schlafen.

Vielleicht wünscht sie sich, so weit fahren zu können wie Fähre Frieda? Hin und her, den ganzen Tag?

Hmm. Aber dann wäre sie den ganzen Tag weg von zu Hause.

Mats seufzt. „Mama, das ist schwer.“

„Lass dir Zeit“, sagt Mama und streicht ihr mit dem Flügel über den Kopf.

„Hast du dir als kleine Möwe auch mal etwas gewünscht?“, fragt Mats.

„Oh ja“, sagt Mama. „Ich habe mir ein kleines Küken gewünscht, das mit mir im Nest Sterne guckt.“

„Und? Ist dein Wunsch in Erfüllung gegangen?“

Mama lächelt nur und schaut Mats ganz lange an.

Mats kuschelt sich an Mama. Die Federn sind weich und warm. Unten gluckert die Elbe. Gluck, gluck. Ein Schiff tutet ganz weit weg. Tuuut. Lotte blinkt. Und über allem leuchten die Sterne.

Da merkt Mats etwas.

Sie hat ein warmes Nest. Sie hat eine Mama, die sie zudeckt. Sie hat Karl, Frieda und Lotte, die auf den Hafen aufpassen. Und sie hat einen Himmel voller Sterne direkt über dem Kopf.

„Mama“, flüstert Mats, „ich glaube, ich brauche gar keinen neuen Wunsch.“

„Nein?“

„Nein. Mein Wunsch ist schon da. Genau hier.“

Mama sagt nichts. Sie drückt Mats nur ein kleines bisschen fester.

Da saust noch eine Sternschnuppe über den Himmel. Ganz leise. Wusch.

„Und die?“, fragt Mama lächelnd.

Mats überlegt kurz. Dann flüstert sie: „Die schenke ich dir.“

Mama lacht leise. Mats gähnt. Ihre Augen werden schwer. Ganz schwer.

Die Sterne funkeln. Lotte blinkt. Die Elbe gluckert. Und Mats schläft ein, mitten in ihrem schönsten Wunsch.

Gute Nacht, Mats. Gute Nacht, Sterne. Gute Nacht, du.

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