Ein Schlaflied für Kran Karl

Ein Schlaflied für Kran Karl

von Trutz StählerPapa aus Hamburg · schreibt Kinderbücher

  • 🎯 ab 3 Jahren
  • 🕔 ca. 4 Minuten Vorlesedauer
Illustration zur Gute-Nacht-Geschichte „Ein Schlaflied für Kran Karl“

Darum geht’s

Kran Karl ist der größte Kran im Hafen – und heute Abend ist er so müde wie noch nie. Zum Glück hat ein Kind am Ufer eine Idee.

Im Hamburger Hafen stehen viele Kräne. Sie sind groß und haben lange Arme, mit denen sie Container von den Schiffen heben.

Der größte von allen heißt Karl. Karl ist blau und hat einen Arm, der fast bis zu den Wolken reicht.

Den ganzen Tag arbeitet Karl. Er hebt einen roten Container. Hoch, hoch, hoch. Dreht sich. Surrr. Und setzt ihn ab. Plong.

Dann einen grünen Container. Hoch, hoch, hoch. Surrr. Plong.

Dann einen gelben, einen blauen und noch einen roten. Hoch, hoch, hoch. Surrr. Plong.

Als die Sonne untergeht, ist Karl müde. So müde wie noch nie.

„Ich möchte schlafen“, brummt Karl. „Aber ich bin so groß und so hoch. Wie soll ein Kran wie ich denn einschlafen?“

Möwe Mats landet auf Karls langem Arm. Tap, tap. „Moin, Karl. Du siehst aber müde aus.“

„Bin ich auch“, seufzt Karl. „Aber ich kann nicht einschlafen. Mein Arm ist noch ganz kribbelig vom vielen Heben.“

Unten am Ufer sitzt ein Kind auf einer Bank. Es heißt Emil und wartet mit seiner Oma auf die Fähre. Emil schaut zu Karl hinauf.

„Oma“, sagt Emil, „der große Kran sieht traurig aus.“

„Kräne sind nicht traurig“, sagt Oma. „Kräne sind Maschinen.“

„Aber dieser hier ist müde“, sagt Emil. „Das sehe ich doch. Sein Arm hängt ganz schief.“

Oma schaut genauer hin. „Hm“, sagt sie. „Vielleicht hast du recht.“

„Wenn ich nicht einschlafen kann“, sagt Emil, „dann singst du mir immer etwas vor. Vielleicht braucht der Kran auch ein Schlaflied.“

Emil steht auf. Er stellt sich ganz nah ans Geländer. Und dann singt er. Leise und ein bisschen schief, so wie Kinder eben singen:

„Schlaf, Kran Karl, die Arbeit ist getan. Die Schiffe schlafen, der Hafen auch. Mach die Augen zu, ganz langsam. Und morgen geht es wieder dran.“

Oben auf dem Kran wird es ganz still.

„Hörst du das?“, flüstert Mats. „Das ist für dich, Karl.“

Karl lauscht. Noch nie hat ihm jemand etwas vorgesungen. Sein Arm hört auf zu kribbeln. Er wird ganz ruhig.

Emil singt noch einmal. Und diesmal singt Oma mit. Ihre Stimme ist tief und warm.

„Schlaf, Kran Karl, die Arbeit ist getan …“

Karl lässt seinen Arm ganz langsam sinken. Tiefer, noch tiefer. Bis er gemütlich über dem Wasser hängt, wie ein Ast über einem Bach.

„Danke“, brummt Karl ganz leise. So leise, dass nur Mats es hört.

Dann kommt die Fähre. Tuuut. Emil und Oma steigen ein. Emil winkt zum Kran hinauf. „Gute Nacht, Kran!“

Und es sieht fast so aus, als würde Karl ein kleines bisschen zurückwinken. Nur ein ganz kleines bisschen.

Die Hafenlichter leuchten. Die Elbe gluckert. Mats kuschelt sich oben auf Karls Arm zusammen.

Und Karl, der größte Kran im ganzen Hafen, schläft ein. Mit einem Schlaflied im Ohr.

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