Die Fähre Frieda fährt nach Hause

Die Fähre Frieda fährt nach Hause

von Trutz StählerPapa aus Hamburg · schreibt Kinderbücher

  • 🎯 ab 3 Jahren
  • 🕔 ca. 4 Minuten Vorlesedauer
Illustration zur Gute-Nacht-Geschichte „Die Fähre Frieda fährt nach Hause“

Darum geht’s

Es ist die letzte Fahrt des Tages: Hafenfähre Frieda bringt alle nach Hause – müde Menschen, einen schnarchenden Hund und ein Kind mit einer roten Mütze.

Im Hamburger Hafen fährt eine Fähre hin und her. Sie ist weiß und grün und hat viele runde Fenster. Sie heißt Frieda.

Den ganzen Tag bringt Frieda Menschen über die Elbe. Von einem Anleger zum nächsten. Hin und her, hin und her. Tuuut, ruft Frieda, wenn sie ablegt.

Jetzt ist es Abend. Die Sonne ist schon untergegangen, und die Hafenlichter leuchten. Es ist Friedas letzte Fahrt für heute.

Kapitänin Hanne steht im Steuerhaus. Sie hat eine blaue Mütze auf und eine Thermoskanne mit Tee neben sich. „Na, Frieda“, sagt sie, „noch einmal, dann ist Feierabend.“

Am Anleger warten schon die Leute.

Zuerst steigt ein Mann mit einem großen Rucksack ein. Er war den ganzen Tag auf einer Baustelle. Er setzt sich ans Fenster und streckt die Beine aus. Puh.

Dann kommt eine Frau mit einer Tasche voller Einkäufe. Oben guckt ein Brot heraus. Es riecht gut.

Dann zwei Jugendliche mit Kopfhörern. Sie lachen leise und teilen sich eine Tüte Kekse.

Dann eine ältere Dame mit einem kleinen, struppigen Hund. Der Hund heißt Krümel. Er rollt sich sofort unter der Bank zusammen.

Und zum Schluss kommen ein Papa und ein Kind. Das Kind trägt eine rote Mütze und hält einen Stock in der Hand, den es am Strand gefunden hat.

„Alle an Bord?“, ruft Kapitänin Hanne.

Möwe Mats sitzt auf dem Geländer und nickt. Mats fährt immer bei der letzten Fahrt mit. Das ist ihr Lieblingsplatz.

Tuuut! Frieda legt ab. Das Wasser plätschert an ihrem Bauch. Plitsch, platsch. Plitsch, platsch.

Frieda fährt langsam über die Elbe. Sie schaukelt ein bisschen, hin und her, hin und her. Wie eine Wiege.

Der Mann mit dem Rucksack macht die Augen zu.

Die Frau mit dem Brot lehnt den Kopf an die Scheibe.

Die Jugendlichen werden ganz still und schauen auf die Lichter.

Krümel, der Hund, schnarcht. Chrrr, chrrr. Die ältere Dame lächelt und krault ihn hinter den Ohren.

Das Kind mit der roten Mütze klettert auf Papas Schoß. „Papa“, flüstert es, „wohin fährt Frieda, wenn alle ausgestiegen sind?“

„Nach Hause“, sagt Papa. „Sie hat auch einen Platz, an dem sie schläft. Ganz ruhig, im Hafenbecken.“

„Und träumt sie dann?“

„Bestimmt“, sagt Papa. „Vom Wasser und von den Möwen und von allen Leuten, die sie heute nach Hause gebracht hat.“

Das Kind gähnt. Haaaach. Es kuschelt sich in Papas Jacke.

Ein Anleger nach dem anderen kommt. Bei jedem Halt steigt jemand aus und winkt. „Tschüss, Frieda! Danke, Hanne!“

Der Mann mit dem Rucksack. Die Frau mit dem Brot. Die Jugendlichen. Die Dame mit Krümel, der noch ganz verschlafen hinterhertrottet.

Und zuletzt der Papa, mit dem Kind auf dem Arm. Das Kind schläft schon. Die rote Mütze ist ein bisschen verrutscht.

Kapitänin Hanne winkt ganz leise. Dann fährt sie Frieda in den Hafen, an ihren Schlafplatz. Sie bindet die Leinen fest und schaltet die Lichter aus. Klick.

„Gute Nacht, Frieda“, sagt Hanne.

Frieda schaukelt sanft im dunklen Wasser. Plitsch. Platsch. Plitsch.

Mats sitzt auf ihrem Dach und steckt den Kopf unter den Flügel.

Alle sind zu Hause. Alle sind angekommen. Und Frieda träumt.

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