Bagger Bruno macht Feierabend
von Trutz StählerPapa aus Hamburg · schreibt Kinderbücher
- 🎯 ab 3 Jahren
- 🕔 ca. 4 Minuten Vorlesedauer
Darum geht’s
Bagger Bruno liebt seine Baustelle so sehr, dass er abends einfach nicht aufhören will zu baggern. Bis ein alter Kran ihm verrät, was Bagger in der Nacht Schönes erleben.
Am Rand der Stadt gibt es eine große Baustelle. Dort wird ein neues Haus gebaut, mit vielen Fenstern und einem roten Dach. Und mittendrin arbeitet Bagger Bruno.
Bruno ist ein gelber Bagger mit einer großen Schaufel und zwei runden Scheinwerfer-Augen. Er liebt seine Arbeit.
Brumm, brumm, macht sein Motor. Ratsch, macht seine Schaufel, wenn sie in die Erde greift. Und rummmms, wenn er die Erde auf den großen Haufen kippt.
Brumm, ratsch, rummmms. Brumm, ratsch, rummmms. Den ganzen Tag lang.
Am Abend geht die Sonne unter. Der Himmel wird orange, dann rosa, dann lila. Die Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter packen ihre Helme ein.
„Feierabend!“, ruft Vorarbeiterin Hilde. „Gute Nacht, ihr Maschinen!“
Die Walze rollt in ihre Ecke. Der Kipplaster parkt neben dem Zaun. Die kleine Rüttelplatte hört auf zu rütteln. Alle machen Feierabend.
Nur Bruno nicht.
Brumm, ratsch, rummmms, macht er. „Ich bin noch gar nicht müde!“, ruft er. „Ich will noch weiterbaggern! Noch ein Loch! Und noch eins! Und noch ein ganz großes!“
Hoch über ihm steht Kran Konrad. Konrad ist der älteste und größte auf der ganzen Baustelle. Er hat schon viele Häuser gebaut. Ganz langsam dreht er seinen langen Arm zu Bruno herunter.
„Na, Bruno“, brummt er mit tiefer Stimme. „Willst du denn gar nicht schlafen?“
„Schlafen ist langweilig“, sagt Bruno. „Da passiert doch nichts.“
Konrad lacht leise. Es klingt wie ein Quietschen von ganz weit oben. „Weißt du denn nicht, was Bagger in der Nacht machen?“
Bruno hält seine Schaufel still. „Was denn?“
„Bagger träumen“, sagt Konrad. „Und Baggerträume sind die schönsten Träume der Welt.“
„Wirklich?“, fragt Bruno. „Was träumen Bagger denn?“
Konrad schaut in den Himmel, wo die ersten Sterne auftauchen. „Ach“, sagt er, „man träumt von Sandkästen, so groß wie ein ganzes Meer. Von Matschpfützen, in denen man herrlich platschen kann. Von Bergen aus Erde, die man bis zum Himmel stapeln kann. Und manchmal träumt man sogar, dass man fliegt.“
„Ein fliegender Bagger?“, staunt Bruno.
„Ein fliegender Bagger“, nickt Konrad. „Aber diese Träume kommen nur, wenn man die Schaufel ablegt und die Augen zumacht.“
Bruno überlegt. Ein Sandkasten so groß wie ein Meer. Das klingt wirklich schön.
Ganz langsam rollt er in seine Ecke, gleich neben die Walze. Er senkt seinen Arm. Die große Schaufel legt sich sanft auf den Boden. Klonk.
Sein Motor wird leiser. Brumm … brumm … brmm …
Dann ist er still.
Ein kühler Abendwind weht über die Baustelle. Irgendwo zirpt eine Grille. Der Mond scheint auf die gelbe Farbe von Brunos Dach.
Brunos Scheinwerfer-Augen werden müde. Erst flackern sie ein bisschen, dann werden sie ganz dunkel.
„Gute Nacht, Konrad“, flüstert Bruno noch.
„Gute Nacht, Bruno“, brummt Konrad. „Morgen bauen wir weiter.“
Und dann träumt Bruno. Er träumt von einem riesigen goldenen Sandkasten. Er baggert und schaufelt und baut die höchste Sandburg der Welt. Und ganz oben, auf der Spitze, breitet er seine Schaufel aus und fliegt.
Ganz leicht. Ganz leise. Über die schlafende Stadt.



